Belastungsgrad der Auffüllung Klybeck

Wird im Klybeck gebaut, kommen Funde wie diese zum Vorschein: eine Mischung aus Haus- und Gewerbeabfällen. Zoom

Wird im Klybeck gebaut, kommen Funde wie diese zum Vorschein: eine Mischung aus Haus- und Gewerbeabfällen. (Quelle: AUE/bs.ch)

Die Haus- und Gewerbeabfälle liegen in feinen Schichten übereinander. Bauschutt, Asche und Aushub wechseln sich ab. Eine getrennte Entsorgung ist nicht möglich. Zoom

Die Haus- und Gewerbeabfälle liegen in feinen Schichten übereinander. Bauschutt, Asche und Aushub wechseln sich ab. Eine getrennte Entsorgung ist nicht möglich. (Quelle: AUE/bs.ch)

Die diagonale Schichtung deutet auf die für das Klybeck typische wagen- und kübelweise Auffüllung hin. Zoom

Die diagonale Schichtung deutet auf die für das Klybeck typische wagen- und kübelweise Auffüllung hin. (Quelle: AUE/bs.ch)

Im Jahr 2009 beauftragte das Amt für Umwelt und Energie das Ingenieurbüro Kiefer + Studer AG mit der Abklärung der künstlichen Auffüllungen im Klybeck. Der Auslöser für diesen Auftrag waren Beobachtungen in Baugruben gewesen, z.B. an der Gärtnerstrasse und am Wiesendamm, wo unterschiedlich mächtige Auffüllungen mit Bauschutt, Schlacken, Aschen und teilweise auch Haus-, Gewerbe- und Industrieabfälle zum Vorschein gekommen waren.

Auswertung der historischen Daten und der Bohrprofile

Die Gutachter stützten ihre Analyse zum einen auf im Staatsarchiv greifbare Dokumentationen der Auffüllungen ab. Zudem werteten sie 393 Ergebnisse von Bohrungen im Projektareal aus, die im kantonalen Bohrkataster registriert sind und die bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Rahmen von Bauprojekten gemacht worden waren. Die Auswertung umfasste neben der im Bohrprofil ausgewiesenen Auffüllmächtigkeit auch die Beschreibungen des Bohrgutes in den Bohrprofilen. Diese Beschreibungen teilten die Gutachter in vier Belastungsklassen ein: keine, gering, mittel und hoch. Gemeint waren damit folgende Befunde:

  • Keine Belastung: sandiger Kies ohne Fremdanteile
  • Geringe Belastung: sandiger Kies mit Aushub und wenig Fremdanteilen (Ziegelbruch)
  • Mittlere Belastung: sandiger Kies mit Aushub, Bauschutt, Ziegelbruch, Betonbruch
  • Hohe Belastung: wenig sandiger Kies mit Bauschutt, Ziegelbruch, Betonbruch, Schlacken, Aschen, Kohleresten, Brandschutt, Abfall, Deponiematerial (nicht näher definiert)

Schlussfolgerungen hinsichtlich der Belastung des Standortes Klybeck

Die Analyse der Gutacher legt folgenden Schluss nahe: Um die Flächen zwischen den hochgelegten Strassen im Klybeck aufzufüllen, war über Jahrzehnte Abfall hergefahren und wagenweise in die Gruben geschüttet worden. Deshalb findet man beim Öffnen des Bodens heute fast überall dasselbe Bild vor: Abfälle, die lagenweise schräg geschichtet und im Untergrund heterogen gemischt sind.

Wird heute im Klybeck gebaut, muss der Aushub in Bereichen mit geringer und mittlerer Belastung gemäss eidgenössischer Abfallverordnung VVEA als wenig verschmutztes Aushubmaterial auf einer Deponie Typ B (Kosten ca. CHF 30 bis 40 pro Tonne) entsorgt werden. Aushub aus Bereichen mit hoher Belastung überschreitet in der Regel die Grenzwerte für die Entsorgung auf einer Deponie Typ B und muss zu deutlich höheren Preisen auf eine Spezialdeponie gebracht oder thermisch vernichtet werden (Kosten rund zwei- bis zehnmal höher, je nach Behandlungsart).

Die Abfälle in den Auffüllungen des Klybeckquartiers liegen seit nahezu 100 Jahren im Untergrund. Wo wasserlösliche Schadstoffe im Füllmaterial enthalten waren, wurden diese durch das Regenwasser und bei der Erhöhung des Rheinpegels (zwei Meter) mit dem Bau des Kraftwerks Kembs via Grundwasser in den Rhein transportiert. Zum Zeitpunkt der Ablagerung dieser Abfälle führten diese Schadstoffe ziemlich sicher zu einer grossen Belastung des Grundwassers und des Rheins. Heute sind im Grundwasser, mit wenigen Ausnahmen, kaum mehr Schadstoffe aus den Abfällen nachweisbar. Es ist wie bei einem Teebeutel, der mehrmals mit Wasser übergossen wird: Irgendwann lösen sich keine Teesubstanzen mehr. Genauso verhält es sich mit den wasserlöslichen Schadstoffen im grösseren Teil des Untergrunds unter dem Klybeckquartier.

Eine Ausnahme bilden zwei Standorte auf dem Chemieareal Klybeck, an welchen es nachweisbare, hohe Belastungen im Boden und Grundwasser gibt:

An der Gärtner-/Mauerstrasse fand ab 1917 die Herstellung von Zwischenprodukten und Farbstoffen, später auch die von Pharmaprodukten und Kunststoffen statt. Das intensiv genutzte Areal weist eine dichte Bebauung mit diversen Gebäuden, Lagerhallen und Schuppen auf, die im Laufe der Zeit wieder abgebrochen und teilweise ersetzt worden sind. Im Untergrund gibt es noch zahlreiche, vermutlich mit belastetem Abbruch verfüllte Kellergeschosse.

Im Zuge von Erkundungsbohrungen wurde im Jahr 1999 beim Bau K-353 eine aromatisch riechende, schwärzlich braune, ölige Flüssigkeit an der Basis des Grundwasserleiters in 16 Metern Tiefe entdeckt. Abklärungen ergaben, dass es dort zu einem grossen Abgang von Chlorbenzolen in den Untergrund und ins Grundwasser gekommen sein musste (Unfallstandort). Die Chlorbenzole liegen heute als nicht mischbare Flüssigkeitsphase auf dem Fels in 13 bis16 Metern Tiefe. Das Areal wurde im Jahr 2003 vom Amt für Umwelt und Energie als sanierungspflichtig beurteilt. Die Grundwassersanierung läuft seit 1999. Bis heute wurden rund drei Tonnen Chlorbenzol aus dem Grundwasser entfernt. Zurzeit wird die Planung einer zusätzlichen Sanierung des belasteten Untergrunds oberhalb des Grundwassers vorangetrieben.

Ein weiterer belasteter Standort liegt bei einem der ältesten Industrieareale der Farbenproduktion zwischen Dreirosen- und Klybeckstrasse. Dort wurden starke Belastungen mit Schwermetallen und Arsen im Untergrund bis in ca. fünf Metern Tiefe nachgewiesen. Im Bereich der Gebäude WKL-90 und WKL-95 befindet sich ausserdem eine starke Chrombelastung (ChromVI, die auch im Grundwasser nachweisbar ist. Das Amt für Umwelt und Energie verlangte dort im Jahr 2003 eine Untersuchung, um das Ausmass und die räumliche Eingrenzung der Chrombelastung im Untergrund abzuklären. Aufgrund der vorliegenden Resultate wurde der Standort zwar als nicht sanierungsbedürftig, jedoch als überwachungsbedürftig beurteilt. Er musste umgehend mit einem wasserdichten Belag gegen eindringendes Niederschlagswasser gesichert werden. Zudem wurde das Grundwasser vierteljährlich (ChromVI) überwacht. Die langen Untersuchungsreihen zeigen, dass der Gehalt an ChromVI im Grundwasser nach einer längeren stabilen Phase langsam abnimmt.