Recyclingbaustoffe

Potenzial/ Nutzen

Werden mineralische Bauabfälle stofflich verwertet oder der Anteil von Kies und Sand aus Aushubmaterial für die Herstellung neuer Baustoffe verwendet, können Kreisläufe geschlossen werden. Dadurch werden natürliche Ressourcen geschont und Eingriffe in die Umwelt minimiert. Ausserdem wirkt sich dies positiv auf den knapper werdenden Deponieraum aus (4). Gemäss BAFU wurden im Jahr 2019 erst rund zwei Drittel der anfallenden Bauabfallmenge der Schweiz verwertet. Das Potenzial ist also noch gross. Zum Vergleich: Jedes Jahr wird die Masse von 25’000 Einfamilienhäusern deponiert oder verbrannt (1).

Einsatzmöglichkeiten

Die mineralischen Bauabfälle sind die mengenmässig weitaus grösste Fraktion der Bauabfälle. Ihr Einsatz als Recyclingbaustoffe ist in der Richtlinie für die Verwertung mineralischer Bauabfälle vom BAFU geregelt. Auch beim Einsatz von Recyclingbaustoffen (z. B. Betongranulat oder Mischabbruch) kann die gleiche Qualität des Betons erreicht werden wie mit Primärrohstoffen (3). Für viele Bauprojekte ist Beton mit Recyclinganteil uneingeschränkt einsetzbar. Mehr dazu siehe auch unter:  Baustoffkreislauf Regio Basel (bskrb.ch).

Aufbereitungsarten

Zur Aufbereitung der mineralischen Bauabfälle kann zwischen zwei verschiedenen Verfahren unterschieden werden. Diese sind nachfolgend beschrieben:

  • Trockenmechanische Aufbereitung
    • Bei der trockenmechanischen Aufbereitung wird das Rohmaterial (z. B. Beton oder Mischabbruch) nach einer optischen Sortierung zuerst gesiebt und danach einer Brechanlage zugeführt. Mittels Prall- oder Backenbrecher wird das Material auf die gewünschte Grösse zerkleinert. Danach wird das Material erneut gesiebt und klassiert. Zu grosse Bestandteile werden nochmals mittels Nachbrechung gebrochen. Nach dem Brechen können noch Windsichter eingesetzt werden, die hauptsächlich zum Entfernen von Fremdstoffen (z. B. Holz, Papier und Plastik) dienen (2).
  • Nassmechanische Aufbereitung
    • Bei der nassmechanischen Aufbereitung wird das Material zusätzlich zum Sortieren, Brechen und Sieben noch gewaschen. Dabei wird das gebrochene Material gewässert und geschlämmt. Durch diesen zusätzlichen Vorgang können mehr Feinanteile und Schadstoffe aus dem Material entfernt werden. Das dazu verwendete Wasser wird in einem geschlossenen Kreislauf geführt. Durch diesen Mehraufwand in der Aufbereitung lassen sich später hochwertigere Recyclingbaustoffe herstellen (5).

Aufbereitungsanlagen

Bodenwaschanlage mit roten Förderbändern und Tanks für die Wasseraufbereitung Zoom

Bodenwaschanlage der RB Recycling + Beton AG in Reigoldswil Kanton Basel-Landschaft (Foto: S. Zurfluh RB-AG Reigoldswil).

Förderbänder der Bodenwaschanlage, im Hintergrund ein gedeckter Platz wo das Material nach Fraktionen eingeteilt ist. Zoom

Das Material wird auf der Anlage zusätzlich zu den Prozessschritten wie Sortieren, Sieben und Brechen noch gewaschen ©Desborough.

Förderband der Bodenwaschanalage, auf der rechten Seite die halboffene Halle in welcher Fächer für die einzelnen Fraktionen sind. Zoom

Im Anschluss an diese Prozesse wird das Material wie auf der Abbildung zu sehen in verschiedene Fraktionen aufgetrennt ©Desborough.

Links befindet sich ein Sandhaufen, rechts ein rotes Förderband der Bodenwaschanlage Zoom

Die dabei entstandenen Kiese und der Sand können für die Betonproduktion verwendet werden
(Foto: S. Zurfluh RB-AG Reigoldswil).

Grosse, grüne Tanks mit einem Ausguss, davor befinden sich die verschiedenen Fraktionen aufgeteilt durch verschiedene Fächer. Über den Platz in der Mitte des Bildes verlaufen Förderbänder zu den Tanks. Zoom

Die BBV Breisacher Bauschutt Verwertungs GmbH hat seit 1991 eine Bauschuttaufbereitungsanlage in Betrieb. Hier sind die einzelnen Fraktionen in welche getrennt wird zu sehen (Foto: G. Bucher BBV).

Umweltnutzen

Betonabbruch und Asphaltaufbruch fallen in grossen Mengen an. Deshalb ist bei dieser Bauabfallart das Recyclingpotenzial auch am grössten. Würden diese mineralischen Bauabfälle statt auf der Deponie zu landen dem Recycling zugeführt, könnte die Umweltbelastung drastisch reduziert werden. Eine Studie der Carbotech AG im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) beziffert das Reduktionspotenzial in sogenannten Umweltbelastungspunkten (UBP): Würden drei Viertel der heute deponierten mineralischen Bauabfälle recycelt, könnten 750 Milliarden UBP eingespart werden. 750 Milliarden UBP entsprechen der jährlichen gesamten Umweltauswirkungen von 38'000 Personen, was der Einwohnerzahl von Schaffhausen entspricht (6).

Vertrauen in die RC-Baustoffe und wiederverwendete Bauteile

Trotz hoher Qualität haben Bauherrschaften und Planer oft noch Vorbehalte gegenüber dem Einsatz von Recyclingbaustoffen oder gebrauchten Bauteilen zur Wiederverwendung. Jedoch gibt es auch viele Bauherren und Architekturbüros, welche schon länger auf Recyclingbaustoffe und Wiederverwendung setzen. In der Stadt Zürich zum Beispiel werden seit über 20 Jahren Recyclingbaustoffe eingesetzt und bei Neubauten gemäss dem Minergie-Eco-Standard mindestens 50 % Recyclingbeton verwendet (1). Auch in der Region Basel gibt es gute Beispiele für die Kreislaufwirtschaft am Bau. Das Baubüro in situ zum Beispiel setzt gezielt gebrauchte Bauteile an neuen Orten wieder ein. Dies ist auch in den Abbildungen zum Thema «Wiederverwendung von Bauteilen» anhand des Lysbüchelareals zu sehen. Weiter wurde im November 2021 das neue Gebäude des Amts für Umwelt und Energie Basel-Stadt eröffnet, bei welchem der grösste Teil (74%) des verwendeten Betons Recyclingbeton ist. Weiter erfüllt das Gebäude die Minergie-A-ECO Standards. Diese Beispiele zeigen, dass auch in der Region Basel das Vertrauen in die Recyclingbaustoffe und die Wiederverwendung von Bauteilen gestiegen ist.